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“Das ist es, was die Kinder im Moment am meisten brauchen!“

 Katrin Schmitz, Mutter einer jungen Artistin berichtet über Frühlingsmanege aus Elternsicht

"Mama, ich bin so aufgeregt!", liegt mir meine achtjährige Tochter seit Tagen in den Ohren, "Was ist, wenn ich vom Trapez falle?"

"Dann liegt da eine Matte", sage ich lapidar. Bis ich irgendwann merke, natürlich ist sie aufgeregt. Zurecht! Wann ist sie das letzte Mal aufgetreten? Im Kindergarten?

Wie erwartet, steht sie am Samstagmorgen eine Stunde zu früh schon fertig angezogen an meinem Bett: "Werden wir auch pünktlich sein?"

Einmal auf dem einladenden LATIBUL-Gelände angekommen, in stärkender Begleitung ihrer Oma und der besten Freundin, genießt sie sogar die Sonne ein wenig bis sie irgendwann "mit ihrer Bande" (wie sie ihre Kursfreunde nennt) stolz ins Zelt verschwindet, denn sie gehören jetzt zu den Artist*innen.

Um 14.00 Uhr ist es so weit. Der Auftritt wird vor mehr als 100 Zuschauenden angekündigt. Auch wenn ich keine Tränen in die Augen bekomme, bin ich sehr gerührt und beeindruckt, wie konzentriert und gut miteinander verbunden die Kinder den komplexen Ablauf meistern, sich gegenseitig kleine Zeichen geben, aufeinander achten und immer mit dem Kind mitfiebern, das gerade im Rampenlicht steht. Ihre drei kurzen Nummern am Trapez führt meine Tochter ruhig und bedacht aus - ohne auf die Matte zu fallen.

Erst beim Applaus sehe ich ihre glühenden Wangen und ihr strahlendes Gesicht. Die Kinder halten sich an den Händen und genießen den Moment. "Mama, ich konnte gar nichts sehen!", sagt sie nachher. "Es hat sich gut angefühlt und ich bin froh, dass ich es geschafft habe!" Ein Stück Kuchen und eine Limonade tun dem flauen Magen jetzt besonders gut.

Zwei Tage später am Elternsprechtag bemängelt die Lehrerin die geringe Beteiligung meiner Tochter am Unterricht. "Aber", sagt sie, "als ich sie am Montag nach ihrem Auftritt gefragt habe, hat sie gerne, voller Freude erzählt und den Mitschüler*innen alle Fragen beantwortet". Und dann fügt sie hinzu: "Das ist es, was die Kinder im Moment am meisten brauchen: sich selber erleben, in dem was sie alles können". Und ich denke mir: ja, sie hat Recht. Und das klappt vor allem im außerschulischen Kontext, ohne den direkten Vergleich und Noten.